Facebook, StudiVZ und Co. Ein kurzer Blick auf die sozialen Netzwerke

Soziale Netze sind das zur Zeit angesagteste im sogenannten “Web 2.0“. Die moderne Internetnutzer fährt darauf ab, persönliche Daten öffentlich zur Schau zu stellen und sich mit dutzenden “Freunden” zu vernetzen. Das Internet mutiert also zu etwas, dass sich George Orwell bestimmt nicht hätte erträumen können. Für Investoren und beteiligte Unternehmen sind diese Communities vor allem eins: eine Quelle für viel $$$, auch Cash Cow genannt.

In der letzten Woche gab es wohl kein Nachrichtenportal und kein Printmedium in dem nicht von einem sozialen Netzwerk in irgendeiner Form berichtet wurde. Aufgrund dieses Hypes um Facebook, StudiVZ und Co. habe ich mich mit dieser Materie ein wenig auseinandergestzt. Vor allem habe ich das mir bisher unbekannte Facebook angeschaut.

Mein Ausflug zu Facebook begann mit einem Artikel auf Spiegel Online. “Facebook ist StudiVZ um Lichtjahre voraus” lautet die Überschrift eines Interviews mit einem der Samwer-Brüder, die kurz zuvor in Facebook investiert hatten.1 Das weckte die Neugier, vor allem auf die technischen Aspekte. :)

Facebook Startseite

Nach der Anmeldung wurde mein Profil sofort dem Netzwerk Germany und dem Netzwerk meiner Uni zugeordnet. Dies erfolgte automatisch anhand der E-Mail Adresse mit der ich mich angemeldet habe.

Die Webseite selbst ist recht komplex, mit dem eher simplen StudiVZ nicht zu vergleichen. Überall kann man irgendwas einstellen, ausstellen, umstellen. Das Design zwar sehr klar, aber auch mit vielen Effekten veredelt; es werden HTML/CSS/JavaScript-Techniken verwendet, die sich mir als Webseiten-mit-Tabellen-Layouter noch lange nicht erschließen. ;)

Technisch interessant: Facebook Platform.

Widmen wir uns deshalb lieber spannenden Aspekten. Was mich besonders interessierte waren die Applications.

Mit Facebook Platform kann jeder eigene Facebook-Erweiterungen schreiben, die sich komplett in die bestehende Seite integrieren lassen (Buzzword: deep integration). Als API steht eine REST-Schnittstelle zur Verfügung. Außerdem die sogenannte Facebook Query Language (FQL) mit der sich SQL-ähnliche Statements ausführen lassen. Für das Layout der Applikation wird die Facebook Markup Language (FBML) benutzt. Dabei handelt es sich um einen HTML-Dialekt bei dem manche Tags entfernt und Facebook-Spezifische hinzugefügt wurden.

Edit Applications Page

Von Haus aus existieren bereits Applikationen für Photo- und Video-Upload, Gruppen, Events, etc. die automatisch aktiviert sind.2 Es existieren zwei Wege, Applikationen zu finden und zu aktivieren: entweder man durchsucht ein zentrales Verzeichnis, oder man findet im Profil eines Freundes eine Applikation und aktiviert sie direkt von dort aus. (Buzzword: mass distribution)

Wie ich weiter Erfahren habe gibt es bereits Unternehmen die ausschließlich für Facebook entwickeln. Huh? Lohnt sich das? In einem Video fanden sich mehr Details zur Facebook Platform.3 Die Leute von Facebook verstehen ihre Plattform als ein Betriebssystem höherer Ebene. Wie für ein normales Betriebssystem Anwendungen entwickelt werden, stellt Facebook ein “Betriebssystem” für Facebook-Applikationen bereit. Wenn ich das richtig verstanden habe, können die Entwickler der Anwendungen zum Beispiel selbst Werbung schalten und die Einnahmen für sich verbuchen. (Buzzword: new opportunity) Das lockt natürlich allerhand Entwickler; kein Wunder das es bereits über 10.000 Applikationen gibt.

Datenschutztechnisch bedenklich: Facebook Platform.

Zum Testen dieses Features habe ich die FunWall installiert. Das ist eine Pinnwand bei der man nicht nur Text, sondern auch Bilder, Videos und selbst gezeichnete Graffitis posten kann. Die “normale” Pinnwand (Buzzword: The Wall) lässt sich deaktivieren und man kann die Elemente eines Profils beliebig anordnen. Viele kleine Spielereien; da verwundert es nicht das jeder Benutzer von Facebook im durchschnitt 19 Minuten täglich auf der Seite verbringt. Nach der Aktivierung dieser neuen Applikation, sie stammt nicht von Facebook, springt einem unweigerlich ein großes rotes DATENSCHUTZ??? vor das mentale Auge.

Die Applikationen haben nach der Aktivierung nämlich Zugriff auf viele Daten. Zunächst einmal zum eigenen Profil, dann noch zu ausgewählten Informationen über Freunde, etc. Jeder der eine solche Anwendung anbietet könnte also fleißig Daten sammeln. Meine Daten landen also nicht nur bei Facebook, sondern auch bei unzähligen anderen Unternehmen und Privatpersonen. Hier noch die Kontrolle über seine Daten zu behalten: fast unmöglich.4

Privatsphäre, nicht vorhanden!

Für die eigene Privatsphäre empfinde ich schon das Veröffentlichen von persönlichen Details als bedenklich. Viele Features von Facebook setzen hier aber noch einen drauf. So wird man bei jedem hinzugefügten Kontakt gefragt, wie man diese Person denn kennt. Gemeinsam zur Schule gegangen? Gemeinsam in einem Verein tätig gewesen? Gleicher Ort? Und so weiter. Auch gibt es News Feeds und Mini Feeds. News Feeds erscheinen auf meiner Startseite und zeigen mir auf einen Blick was sich bei meinen Freunden im Profil geändert hat. Anhand der Mini Feeds kann man jede Änderung an einem Profil mitverfolgen. Anfangs gab es gegen dieses Feature wohl einigen Protest, aber wenn man sich erst an den Verlust von Privatsphäre gewöhnt hat…

Facebook kommt nach Deutschland, was macht StudiVZ?

Facebook gibt es zur Zeit nur auf Englisch. Allerdings existieren bereits Netzwerke für Deutschland und deutsche Universitäten. Eine Übersetzung ins Deutsche soll nach dem Willen von Facebook von den Benutzern selbst durchgeführt werden.5

Es gibt bereits Spekulationen über eine mögliche Übernahme von StudiVZ durch Facebook. Wenn wir allerdings davon ausgehen, dass StudiVZ nicht von Facebook gekauft wird, müssen sich die Menschen dort ins Zeug legen. Es ist zwar das Wesen eines sozialen Netzwerkes, das Benutzer nicht so einfach auf eine andere Platform wechseln wo die bestehenden sozialen Vernetzungen nicht so ausgeprägt sind, doch für das Überleben von StudiVZ reicht das nicht aus. Zum einen muss eine größere Zielgruppe angesprochen werden (nur Studenten und Schüler sind nicht ausreichend) und zum anderen muss die StudiVZ-Webseite auf den neusten Stand der Technik gebracht werden. Dazu gehört auch die Öffnung der Schnittstellen für Erweiterungen.

Was Facebook eventuell zusetzen könnte ist die Tatsache, dass es mit dem Datenschutz und der Privatsphäre noch schlechter aussieht als bei StudiVZ. Auf jeden Fall bleibt das Thema der sozialen Netze spannend und in den nächsten Monaten wird sich dort einiges tun. Ich werde versuchen stets an dieser Stelle meinen Senf dazu abzugeben. ;)

  1. Die Samwer-Brothers sind als Gründer von Jamba! schuld an der nervigen Klingelton-Werbung. []
  2. Die von Facebook erstellten Applikationen benutzen die gleichen Techniken wie sie auch jedem externen Entwickler zur Verfügung stehen. []
  3. Hier wurden auch die erwähnten Buzzwords wie ein Mantra wiederholt. Ich glaube Amerikaner stehen auf sowas. []
  4. Und man begibt sich noch in unsichere Gewässer: Facebook-Widgets versuchen Spyware zu installieren []
  5. Das immer mehr Unternehmen ihre Kunden mitarbeiten lassen ist ein bekannter Trend. Siehe Deutsche Post (Packstation), Ikea (Waren selber aus dem Regal wuchten), etc. []

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2 Reaktionen auf “Facebook, StudiVZ und Co. Ein kurzer Blick auf die sozialen Netzwerke”

  1. DieWurst schrieb:

    Naja, also eigentlich sind die Chancen von svz da relativ gering, denk ich mal. Die Nutzerbasis bei Facebook ist ja um vieles größer und da viele auch Kontakte ins Ausland haben/wollen, ist das denke ich mal ein großes Plus.
    Andererseits ist auch gerade die einfache Aufmachung bei svz ein Vorteil für svz. Viele mögen es einfach….

    Jaja, Big Brother war nur der Anfang. Die nachfolgende Generation besteht wohl (größtenteils) nur noch aus sich selbst Verkaufenden, da ist Privatsphäre und Datenschutz nur im Weg.

  2. DarkGuardian.de schrieb:

    Facebook und der Datenschutz…

    Tja, in Facebook hat man es sicherlich schon auf die eine oder andere Art erfahren. Auch Spiegel Online berichtet bereits über das Datenschutz-Debakel bei Facebook. Nach den heimlichen1 Änderungen der Nutzungsbedingungen
    darf [Facebook] mit Bildern, …

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