Generelles Rauchverbot wird weichgekocht

Was musste ich gestern in der Presse lesen? Das vor kurzem noch so vollmundig angekündigte, generelle Rauchverbot wird weichgekocht!

Der jetzige Vorschlag der großen Koalition, geschrieben vom Verband der Cigarettenindustrie (VdC), sieht vor:
Kein generelles Rauchverbot, nur Gaststätten größer als 75 Quadratmeter müssen “Rauchfreie Zonen” einrichten. Was ich ziemlich lächerlich finde, da der Rauch sich bekanntlich trotzdem im Lokal verteilt und die Gäste und vor allem auch die Angestellten diesem weiterhin ausgesetzt sind.
Desweiteren habe ich von dem Vorschlag gelesen, Rauchen erst ab 18 Jahren zu erlauben. Was soll das denn? Nicht einmal die jetzige Regelung kann in der Praxis nicht ordentlich umgesetzt werden, wie man an den vielen rauchenden Kindern sieht. Dieser Vorschlag wurde doch nur in die Welt gesetzt, um zu kaschieren das man ansonsten im Nichtraucherschutz vollkommen untätig vor der Tabaklobby einknickt.

Es ist verwunderlich, wieviele Parlamentarier den fadenscheinigen Argumenten der Tabaklobby folgen. Angeblich seien die Studien zur Gefährlichkeit des Passivrauchens alle unbrauchbar, das Krebsrisiko unter dem Risiko das von Mobiltelefonen ausgehe, ein Rauchverbot der “Jobkiller” für die Gastronimie, und so weiter.
An dieser Stelle könnte man eine Reihe von Studien herbeiziehen die das genau Gegenteil darstellen. Jährlich sterben 3300 Menschen in Deutschland durch Passivrauchen. In Ländern mit Rauchverbot steigt das Umsatz der Gastronomie (wer könnte erwarten das Menschen in rauchfreier Umgebung lieber konsumieren?). Und meinem Wissensstand nach konnte das Krebsrisiko von Mobiltelefonen noch nicht wirklich nachgewiesen werden, da zuverlässige Langzeitstudien fehlen.

Die FDP wird wieder — ich habe es zwar nicht gelesen aber wahrscheinlich ist es so — die Argumente vom “mündigen Bürger” einbringen, welcher selber entscheiden kann ob er in einer verrauchte Kneipe geht oder nicht. Sie wird von der “Reglungswut” des Staates sprechen. Dabei fühle ich mich, als freier, mündiger Bürger, von den Rauchern extrem eingeschränkt, belästigt und gesundheitlich gefährdet.

Ein generelles Rauchverbot muss unbedingt her! Deutschland ist gegenüber den anderen europäischen Staaten in dieser Hinsicht immernoch ein Entwicklungsland! Aber zuerst brauchen wir nicht-käufliche Parlamentarier mit gesundem Menschenverstand…

Folgende Einträge könnten Sie auch interessieren:

  1. Generelles Tempolimit auf Autobahnen!
  2. Smexting statt Smoking
  3. No Smoking
  4. Die Bahn, RWE und Biometrie
  5. Die schöne neue Welt der Überwachung

Eine Reaktion auf “Generelles Rauchverbot wird weichgekocht”

  1. Martin schrieb:

    Und komischerweise ist es gerade die Union die den simplen, unbürokratischen Antrag der SPD “Rauchverbot an allen Arbeitsplätzen incl. Gastronomie”, mit Definitonen von Bars, qm-Größen, Restaurantdefinitionen, Speisenausschank, Ausnahmen, Regelungen für Lüftungen und Zonen zum bürokratischsten Monstergesetz aller EU-Länder machen will.

    In der Praxis sieht der “Nr-Antrag” der Union, der ja 1:1 von der Zigarettenindustrie übernommen ist, im Prinzip nirgends ein Rauchverbot vor. In großen Lokalen darf geraucht werden, in kleinen auch, in Bars sowiso, in Kneipen und Kinos auch. Lediglich in größeren Lokalen müsste in den Ecken ein paar Schildchen aufgestellt werden.

    Wer mit der Union einen Nichtraucherschutz machen will (ohne bürokratie, leicht umzusetzen und erfolgreich) kann sich auch gleich mit der Tabakindustrie zusammensetzen: so ist Hartmut Koschyk, parl. Geschäftsführer der CSU-Fraktion, der jetzt einen “Kompromiss der SPD” sucht auch die Speerspitze im Kampf gegen die Nichtraucher: er selber lässt sich regelmäßig zu Vdc-Veranstaltungen einladen, hat im Wahlkreis eine Tabakfabrik, und will deswegen ein Gesetz durchbringen dass das rauchen praktisch überall erlaubt, aber nur zum Schein den Namen “Nichtraucherschutz” trägt.

    Mit solchen Menschen die keine Kompromisse wollen, verhandelt man nicht.

Kommentar schreiben